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Aktualisiert: 3. Okt.
1973 A110 1800 Gr. IV trifft 2026 Alpine A110 GTS
Nicht wenige Film- und Fotoshootings rund um das Thema Alpine haben ihren Ursprung auf den idyllischen Straßen des Schwäbischen Waldes gefunden. Ob für Petrolicious, Classic Driver oder schlicht in eigener Sache entstanden hier Aufnahmen, an die man sich erinnert.
Entsprechend hoch waren die Ansprüche – an Film- und Fotocrew ebenso wie an das begleitende Team.
Eine Konstante gab es dabei allerdings fast immer: die Location.
Fast schon legendär ist inzwischen jene Strecke im Welzheimer Wald, auf der unzählige Alpine-Film- und Fotoaufnahmen entstanden sind. Kurven, Landschaft und Asphalt scheinen wie geschaffen für die Berlinette – ganz gleich, ob sie gerade fünfzig Jahre Motorsportgeschichte hinter sich hat oder gerade erst aus dem Showroom gerollt ist.
Diesmal trafen genau diese beiden Welten aufeinander.
Zwei Alpine A110. Über ein halbes Jahrhundert zwischen ihnen. Und doch haben beide mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Es gibt Begegnungen, die man arrangieren kann und es gibt Begegnungen, die einfach passieren müssen. Diese hier war eine davon.
Auf der einen Seite: eine Alpine A110 GTS – brandneu, hochmodern, von Renault Deutschland zur Verfügung gestellt und eine der letzten Vertreterinnen ihrer Art.
Auf der anderen: eine Alpine A110 1800 Gr. IV aus dem Rallye-Weltmeisterschaftsjahr 1973.
Ein ehemaliger Werkswagen, eine jener kompromisslosen Berlinetten, mit denen Alpine Motorsportgeschichte geschrieben hat.
Dazwischen: Elias Holdenried alias Moteurflottant und Jürgen Clauss von alpineLAB – zwei im Schwabenland beheimatete Enthusiasten, verbunden durch die gemeinsame Leidenschaft für französische Automobile.
Und hinter der Kamera: Daniel Nikodem IG alias BMWjogge. Ein Mann mit dem seltenen Talent, nicht einfach Autos zu fotografieren, sondern ihre Persönlichkeit einzufangen. Ein Treffen, das eigentlich längst überfällig war.

1,8 Liter. Zwei Generationen.
Man könnte diese beiden Autos auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher beschreiben.
Die eine stammt aus einer Zeit, in der Rallyefahrer mit Stoppuhren, Roadbooks und mechanischem Gefühl unterwegs waren. Der Fahrer war Sensor, Regelwerk und elektronische Fahrhilfe in Personalunion. Die andere kommt aus einer Welt, in der Sensoren, Steuergeräte und Elektronik in Millisekunden darüber entscheiden, wie viel Leistung gerade anliegt. Sie schaltet die sieben Gänge ihres Doppelkupplungsgetriebes schneller, als man es mit einem klassischen Getriebe je könnte und mobilisiert aus gerade einmal 1,8 Litern Hubraum 300 PS.
Und trotzdem teilen sich beide etwas Entscheidendes: 1800 Kubikzentimeter Hubraum.
Zufall? Vielleicht. Interessanter ist allerdings, was darüber hinaus geblieben ist.
Denn die eigentliche Gemeinsamkeit dieser beiden A110 liegt nicht in einzelnen technischen Daten.
Sie liegt in einer Philosophie: möglichst wenig Auto zwischen Fahrer und Straße zu bringen.
Leicht, kompakt, agil und mit einem Schwerpunkt auf dem Fahrerlebnis statt auf schierer Größe oder Masse.
Genau dieser Gedanke prägte bereits die Berlinette der 1960er- und 70er-Jahre und ist bis heute ein Kern der modernen A110.
Zwei Welten. Eine DNA.
Natürlich trennen die beiden Fahrzeuge Welten.
Die A110 1800 Gr. IV ist ein Produkt des Rallyesports. Ihre Welt besteht aus Stahl, Polyesterharz, Glasfaser, Schrauben, Schweißnähten und einem Fahrer, der jeden Meter Straße lesen muss. Ihr Fahrverhalten ist unmittelbar, manchmal fordernd und immer ehrlich. Sie verzeiht wenig – belohnt dafür umso mehr, wenn man sie richtig zu nehmen weiß.
Die A110 GTS dagegen ist das Ergebnis von mehr als fünf Jahrzehnten automobiltechnischer Entwicklung. Ihr Aluminium-Chassis ist hochpräzise gefertigt, der 1,8-Liter-Turbomotor liefert 300 PS und 340 Nm, während moderne Fahrwerkstechnik, Elektronik und Doppelkupplungsgetriebe die Performance für den Fahrer kontrollierbarer und reproduzierbarer machen.
Und doch stellt man sie nebeneinander – und plötzlich ist sie wieder da. Diese vertraute Silhouette. Die niedrige Front. Die großen Augen. Die geschwungenen Kotflügel. Die kurze Karosserie. Die gedrungene Haltung.
Und vor allem diese unglaubliche optische Leichtigkeit, die eine A110 von jeher auszeichnet.
Man muss kein Alpine-Experte sein, um die Verwandtschaft zu erkennen.
Die moderne A110 kopiert die alte Berlinette nicht. Sie übersetzt ihre Idee in eine andere Zeit.
Aus dem kompromisslosen Rallyegerät wurde ein moderner Sportwagen. Aus dem mechanischen Werkzeug eine hochentwickelte Fahrmaschine. Aus dem kleinen Vierzylinder der Siebziger ein turboaufgeladener Motor mit 300 PS.
Aber die Grundidee ist erstaunlich konstant geblieben. A110 bleibt eben A110 - nur die Zeit hat sich verändert.
1973 – als Alpine die Rallyewelt eroberte.
Die leuchtend blaue Berlinette von alpineLAB ist keine gewöhnliche A110.
Sie ist ein Stück Motorsportgeschichte. Ein Auto aus einer Zeit, in der Rallyes noch keine perfekt choreografierten Hochgeschwindigkeitsspektakel waren, sondern erbarmungslose Prüfungen für Mensch und Maschine.
1973 begann eine neue Ära. Die Rallye-Weltmeisterschaft wurde ins Leben gerufen und Alpine war bereit.
Mit gerade einmal 17 werksseitig für die neue Weltmeisterschaft vorbereiteten Berlinetten trat man gegen die etablierten Größen des internationalen Rallyesports an.
Die Philosophie dahinter war ebenso einfach wie kompromisslos:
So wenig Auto wie möglich. Leichtbau statt Hubraum. Mechanik statt Elektronik. Gefühl statt Computer.
Die A110 1800 Gr. IV war die konsequente Umsetzung dieses Gedankens. Klein, leicht, agil und gnadenlos schnell. Kein Luxus, kein Kofferraum, keine elektronischen Helfer. Zwischen Fahrer und Straße lagen im Wesentlichen Reifen, Fahrwerk, ein Lenkrad und der Mut, es wirklich wissen zu wollen.
Ihr Leben begann deshalb auch nicht bei einer Sonntagsausfahrt zum Café.
Es begann dort, wo Asphalt, Schotter, Schnee und Schlamm über das Schicksal eines Autos entscheiden.
1973 mussten sich die Werks-Alpines unter anderem bei der legendären Rallye Polen beweisen.
Von 62 gestarteten Fahrzeugen sahen gerade einmal sechs das Ziel.
Das war die Welt, für die diese Autos gebaut wurden. Eine Welt, in der ein Rallyeauto nicht nur schnell sein musste –
es musste durchalten. Es musste Nacht für Nacht, Kurve für Kurve, Sprung für Sprung funktionieren.
Und wenn irgendwo ein Stück Technik versagte, gab es keinen Laptop, keinen Diagnosestecker und kein Steuergerät,
welches die Lösung bereithielt. Es gab Werkzeug. Improvisation. Erfahrung und Fahrer, die wussten, wie weit sie gehen konnten.
Und am Ende dieses ersten Weltmeisterschaftsjahres stand etwas, das heute beinahe unglaublich klingt:
Alpine Renault gewann 1973 die allererste Rallye-Weltmeisterschaft der Konstrukteure.
Die kleine französische Berlinette hatte sich gegen die großen Namen des Rallyesports durchgesetzt.
Mit ihrer ganz eigenen Idee: Leicht. Schnell. Kompromisslos.
Eine Idee, die 50 Jahre später noch immer in jeder Linie einer A110 zu erkennen ist.

2026 – dieselbe Idee, neu interpretiert.
Mehr als fünf Jahrzehnte später steht nun die A110 GTS daneben.
300 PS. 340 Nm. 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. 0–100 km/h in 4,2 Sekunden. Und rund 1,1 Tonnen Gewicht.
Das sind Zahlen, die auch heute noch beeindrucken. Doch Zahlen erklären nicht, warum eine moderne A110 emotional so unmittelbar wirkt. Das Geheimnis liegt – wie 1973 – nicht in maximaler Leistung. Es liegt im Gewicht.
Alpine hat die GTS auf dem sportlichen Fahrwerkskonzept der A110 S aufgebaut und kombiniert es mit dem 300-PS-Motor. Die aktuelle GTS verbindet dabei sportliche Ambitionen mit der Alltagstauglichkeit, die man von einem modernen Sportwagen erwartet.
Und genau hier wird die Verbindung zur alten Berlinette interessant.
Denn auch wenn zwischen beiden Autos Welten liegen, folgt die moderne A110 noch immer jenem Grundgedanken, der Jean Rédélés Marke berühmt gemacht hat: Light is Right.
Schwestern im Geiste.
Der eigentliche Vergleich beginnt erst auf der Straße.
Natürlich wäre es einfach, die beiden nebeneinanderzustellen und technische Daten zu vergleichen.
Aber das wäre fast zu banal.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht: Welche A110 ist schneller?
Sondern: Welche A110 lässt den Fahrer mehr fühlen?
Und darauf gibt es keine objektive Antwort.
Die 1800 Gr. IV erzählt von einer Zeit, in der Motorsport noch unmittelbar, rau und kompromisslos war.
Ihre Geschichte ist in jedem Detail sichtbar – von der Karosserie bis zu den Spuren ihres bewegten Lebens.
Die GTS erzählt dagegen von einer Zeit, in der Ingenieure versuchen müssen, dieselbe emotionale Wirkung mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts zu erzeugen. Das Ergebnis ist erstaunlich.
Denn wenn die Straße enger wird, die Kurven dichter aufeinanderfolgen und der Schwäbische Wald seine langen Geraden gegen schnelle Richtungswechsel eintauscht, wird klar: Die A110 hat ihren Charakter nicht verloren.
Moteurflottant trifft alpineLAB.
Vielleicht ist genau das die schönste Geschichte hinter diesem Shooting.
Es geht nicht darum, welcher von uns das „bessere“ Auto besitzt.
Es geht um zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise dieselbe automobile Sprache sprechen.
Elias Holdenried - Moteurflottant bringt die Gegenwart / Jürgen Clauss - alpineLAB bringt die Geschichte.
Und irgendwo dazwischen treffen sich 1973 und 2026.
Dass dafür ausgerechnet der Schwäbische Wald zur Bühne wird, ist fast schon logisch.
Denn französische Automobilgeschichte und schwäbische Automobiltradition sind auf den ersten Blick vielleicht Gegensätze, aber Leidenschaft kennt keine Landesgrenzen.



