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A110 1800 Gr. IV "Safari Rallye 1975"

Aktualisiert: 25. Apr. 2023

CLIENT COMPETITION


 

HISTORY

 

AFRICAN QUEEN

Die Alpine wurde zwar ursprünglich nur als Asphalt-Leichtgewicht konzipiert, lernte aber mit fortschreitender Entwicklung auch die Strapazen einer Safari Rallye zu ertragen.

Der aus Schottland stammende, aber in Kenia lebende ROBERT GLEN orderte diese A110 1800 direkt ab Werk mit allen verfügbaren Optionen, um diese bei der Safari Rallye einzusetzen. Die ursprünglich ab Werk in blau metallic gelieferte Berlinette, erhielt schon nach 2 Jahren einen neuen Anstrich.

Dem Kenner bleibt nicht verborgen, dass es sich hier um eine sehr spezielle Berlinette handelt. So war das Fahrzeug wie

von der 1600S bekannt nach wie vor mit Pendelachse und 3-Loch Felgen ausgerüstet, trug jedoch schon das Polyesterkleid einer 1600SC. Das heißt: Türdrücker anstatt Türgriffe, Lufteinlass vorne ohne Vertiefung, Lufteinlässe oberhalb der Heckklappe, sowie ein demontables Heckteil. Die Plaketten weisen diese Berlinette als1600VD aus, richtiger Weise sollte sie jedoch aufgrund ihrer Merkmale den nur in ganz geringer Stückzahl gebauten 1800VA Versionen zugeordnet werden.



Rob Glen:

"Ich kaufte das Auto neu ab Werk, speziell präpariert für die Safari Rallye, flog es nach Kenia, wo ich es zwei Jahre lang fuhr. Wie du dir vorstellen kannst, war es ein fantastisches Auto".








Robert "ROB" Glen erzählt von seinen Erinnerungen

als Fahrer bei der Safari Rallye 1975:

Die Safari von 1975 war interessant. Wir kamen nicht ins Ziel, mussten uns aber in Mazeras bei Mombasa zurückziehen. Während des berühmten Taita-Hügelabschnitts gingen sowohl die Kupplung als auch die Bremsen!! Dies geschah auf halbem Weg durch den 75 km langen Abschnitt. Ich fuhr den Rest ohne Bremsen oder Kupplung, nach Malindi, Mombasa, dann zu Mazeras Kontrolle, wo der Motor aufgrund defekter Kopfdichtung seinen Dienst quittierte! Interessanterweise absolvierten wir immer noch Abschnitte ohne Zeitverlust. Wir hatten eine Gegensprechanlage in unseren Helmen, da der Lärm in der Alpine ziemlich unerträglich war! Das andere Interessante an dieser Rallye war, die Probleme mit der Ölleitung, die das Öl vom vorderen Kühler zum Motor leitet. Sie führt am Gaspedal vorbei und so begann mein Fuß nach etwa 300 km zu brennen! Mein Serviceteam hatte regelmäßig Wasser darauf gegossen, aber es hat höllisch gebrannt. Ich konnte das Gaspedal überhaupt nicht mehr spüren, aber ich konnte die Drehzahl hören. Mein Navigator, einer der Besten, war Ian Street, ein Flugzeugingenieur.


 

SEARCH AND RESCUE

 

WELTREISE

JANUAR 2011


NAIROBI - DOVER - STUTTGART

Im Januar 2001 erhielt ich die Information, dass eine Wettbewerbsalpine aus Afrika kommend, in England zum Verkauf stand. Ich kontaktierte den Verkäufer, seines Zeichens ein Afrikaner wohnhaft in Birmingham und erhielt daraufhin von selbigem Fotos via Email, welche leider nur sehr wenig aussagekräftig waren. Seine Preisvorstellung für dieses Wrack bewegte sich zudem in astronomischen Spähren, schließlich war die Restauration nach seiner Ansicht und nach afrikanischen Standards bereits nahezu abgeschlossen.

Nichtsdestotrotz machte ich mich auf nach Brimingham, zu verlockend war der Gedanke hier evtl. eine Perle im Dreck zu finden. Nun, mit dem Dreck hatte ich nicht ganz unrecht, lag das Wrack doch buchstäblich in selbigem, im Hinterhof einer eher unansehnlichen Reihenhaussiedlung. Es bot sich mir ein Anblick des Grauens, der Zustand war weit schlechter als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Dennoch war anhand der sichbaren Competition-Merkmale sofort klar, diese Berlinette war ursprünglich für den Rallyesport gebaut und entweder eine echte "Usine", wenigstens jedoch eine Version "Client-Competition". Während der Verkaufsverhandlungen wurde klar, dass ich nicht der Erste war, welcher diese Ruine inspizierte. Ex Formel 1 Pilot und Alpine Liebhaber Eric Comas wahr wohl schon ein paar Tage vor mir vor Ort, um diese Berlinette in Augenschein zu nehmen. Weshalb Eric den Wagen stehen ließ, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute jedoch, auch er war von der völlig überzogenen Preisvorstellung, welche sich im 6-stelligen Bereich bewegte, wenig angetan. So verließ auch ich den Ort des Geschehens unverrichteter Dinge. Zugegeben etwas frustriert und genervt, aufgrund der unrealistischen Vorstellungen des Verkäufers, was es mir jedoch einfach machte, dieses Projekt schnell zu vergessen.

Nahezu ein Jahr später erhielt ich wiederum eine Nachricht des Verkäufers - das Wrack stand noch immer zum Verkauf.

Es begannen neuerliche, zähe Verhandlungen, welche dann nach einigen Tagen doch noch zu einer finalen Einigung führten. Nur wenige Tage später fand die Übergabe dessen, was ich für eine Perle hielt, in Dover statt. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht wirklich bewusst, wie viel Kraft und Nerven mir dieses Projekt abverlangen würde.




 

BLOOD SWEAT AND TEARS

 

GREAT THINGS NEVER COME FROM COMFORT ZONES



PROTECT ME FROM WHAT I WANT

Ursprünglich zierte dieser Slogan das BMW V12 LMR Art Car. Innerhalb meiner Familie mutierte er über die Jahre zum "Running Gag". Immer wieder kamen neue Projekte zu mir, welchen ich nicht widerstehen konnte. Allesamt hatten sie eine Gemeinsamkeit. Nach der Freude über den Fund, kam rasch die Ernüchterung ob des katastrophalen Zustandes und der anstehenden, kräfteraubenden Arbeiten. Was anfänglich als halb so schlimm bzw. machbar aussah, wandelte sich zum Alptraum.


So kam denn während der langwierigen Restaurations-arbeiten nicht wenige Male der Gedanke auf, warum man sich diese Strapazen antut und "Mann" stellt sich die Frage: "...warum hat mich denn niemand von diesem Projekt abgehalten"?








 

DEMONTAGE

FEBRUAR 2011


Beim Zerlegen des Wagens rieselte aus alle Nischen und Hohlräumen roter, afrikanischer Wüstensand. In Anbetracht der mir nun offenbar werdenden Details einer "afrikanischen Restauration", blieb dies eines der sehr wenigen amüsanten Begebenheiten bei der Demontage des Wagens. Über die spezielle Beschaffenheit der "Lackierung" hatte ich mich schon von Anfang an gewundert, dieser aber wohl zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen, was sich bald rächen sollte.

Es stellte sich heraus, dass die gesamte Außenhaut mit einem hartnäckigen Epoxid-Überzug lackiert bzw. beschichtet wurde. Die Schichtdicke betrug nahezu einen Millimeter und selbst der Winkelschleifer hatte seine liebe Mühe, diesen schmierenden, widerstandsfähigen Überzug zu entfernen.

Es kam wie es kommen musste, die Karosseriearbeiten wurden zum Alptraum. Ich wollte jedoch so viel als möglich der Originalsubstanz retten und keinesfalls den einfacheren Weg beschreiten, eine neue Karosserie zu verwenden.

So blieb nur ein gangbarer Weg - unbauchbare Teile der Karosserie abzuschneiden und durch Neuteile zu ersetzen.


Das Chassis als auch einige Anbauteile warteten mit erfreulichen Überraschungen auf. Verstärkungen am Rahmen, Schnellwagenheber am Heck, Achsschenkel sowie gelochte Radnaben vorne, ursprünglich aus der 1600SC stammend, verstärkte Querlenker Typ "MAROC", Unterbodenschutz aus GFK und Unterfahrschutz aus Aluminium.



 

KAROSSERIEARBEIT

JANUAR 2012


FORMGEBUNG

Einige Sektionen der Karosserie mussten komplett erneuert werden, zu schlecht war die originale Substanz.

Die willenlos gebohrten Löcher im Armaturenbrett wurden verschlossen, die A110 typischen Platten aus Sperrholz im Fußboden neu einlaminiert, die später zu vernietenden Kotflügel vom Typ "Ailes Bulles" angepasst und provisorisch an der Karosserie verschraubt.

Das Dach besteht aus zwei Schalen aus GFK, von welchen die innere ebenfalls erneuert werden musste.

Das authentische, geschäumte Material für den Himmel in Reiskorn-Optik, konnte ich nur mit sehr viel Glück und Mühe in der Citroen Szene beschaffen. Den für Hard Core Rallyes typischen Unterbodenschutz aus GFK mit Aufkantung an den Türschwellern, musste ich in Ermangelung eines Lieferanten selbst anfertigen. Das Originalteil, welches mit dem Wrack kam, diente als Vorlage für die selbst angefertigte Form.

Schließlich fand der bewährte Tank aus Aluminium seinen angestammten Platz und verschwand hinter den dafür angefertigten original GFK-Formelementen.

Puristen mögen die Nase rümpfen, dass kein flexibler Flugzeugtank wie im Original zum Einsatz kam. Da das Fahrzeug jedoch nicht mehr im Rennsport eingesetzt werden sollte, erachtete ich dies für die bessere und langlebigere Variante.



 

TRIEBWERK

MAI 2012


HOCHZEIT

Optisch unterscheidet sich die Antriebseinheit nur wenig von der eines Serienfahrzeuges. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man jedoch die eine oder andere Besonderheit, wie zum Beispiel die improvisiert aufgeschweißten Verstärkungsbleche am Dom der Achstraverse im Bereich der Stoßdämpferaufnahme.

Auch die Formgebung der Kühlwasserrohre weichen von denen einer Serien-1600S ab.


Der neu aufgebaute 1796ccm Rennmotor leistet knapp 175 PS und trägt als Besonderheit eine handgeschweißte Mignotet Ölwanne mit Kühlrippen, welche typische für die Werkswagen aus dieser Zeit waren.

Das Getriebe vom Typ 364 mit großen Kreuzgelenken und dicken Achswellen sowie Monte Carlo Übersetzung,

war obligatorisch. Eine leichte Schwungscheibe aus Aluminium hingegen, sowie eine leichte Sintermetallkupplung stellen ein Upgrade dar, welches dem Motor an Drehfreudigkeit zu Gute kommen soll.



 

LACKIERUNG

JUNI 2012


BLUE MAGIC

Auf eine nochmalige detaillierte Beschreibung des Lackierprozesses kann an dieser Stelle verzichtet werden.

Das geradezu magische Alpine Blau Metallic gehört zu einem A110, wie das Rot zu einem Ferrari.

Die Lackierung des Armaturenbretts, welche jedes Mal eine neue Herausforderung darstellt, ist perfekt gelungen.

Die Kotflügel wurden separat lackiert und anschließend mit unzähligen Blindnieten an die Karosserie genietet.

Für ihren bösen Blick bekam sie schwarze Ringe unter den Augen. Alice Cooper hätte seine wahre Freude an ihr.




 

REMONTAGE

AUGUST 2012


DETAILS MACHEN DEN UNTERSCHIED

Allmählich wird sichtbar, welche besondere Gene diese SAFARI A110 in sich trägt. Der auf der rechten Beifahrerseite montierte Suchscheinwerfer ist Zeugnis ihrer Einzigartigkeit.

Spezielle Aufnahmen für den Wagenheber am hinteren Türschweller, aufgenietete Kotflügel vom Typ „Ailes Bulles“,

aus dem R8 stammende Haltegriffe, sowie ein Trittbrett am Heck und verstärkte Radnaben und Achsschenkel vorne, sind untrügliche Merkmale dafür, dass diese Berlinette für einen besonderen Einsatzzweck gebaut wurde.



 

BACK ON TRACK

 

MISSION ERFÜLLT

OKTOBER 2012


Mit der ehemaligen Start Nummer 54 im Dekor der Safari Rallye 1975, erlebt die todgeglaubte Safari A110 von Rob Glen ihr Revival. Ihre bulligen Radhäuser verleihen ihr einen kraftstrotzenden Auftritt, ohne dass sie an Eleganz zu verlieren scheint. Das Alpine Blau schimmert betörend in der tief stehenden Herbstsonne und man kann sich kaum satt sehen an all den kleinen Details, welche diese A110 zur Besonderheit machen.

All die zurück liegenden Strapazen der Restaurationsarbeiten scheinen vergessen, ob ihres atemberaubenden Anblicks.




 

GET OUT AND DRIVE

 

FRÜHLINGS-ERWACHEN

MAI 2013


ALLES NEU MACHT DER MAI

Der Wonnemonat Mai steht für das Aufblühen der Natur und ist somit ein Symbol für Aufbruchsstimmung.

Endlich wieder raus! Nachdem über die Wintermonate noch einige Kinderkrankheiten behandelt werden mussten, nahm die Safari Queen erstmalig Asphalt unter die Räder. Die blühende Natur, blauer Himmel und Sonnenschein satt, boten eine exzellente Kulisse, für ihren ersten Auftritt vor der Kamera. Bonne Route!






 

CAR IN DETAIL

 

NAHAUFNAHME

MAI 2013


Betrachtet man Dinge aus einer gewissen Distanz, verschwimmen die Details im Gesamtbild fast zur Belanglosigkeit, ebenso wie die Erinnerungen an die zurück liegenden, kräftezehrenden und nervenraubenden Karosseriearbeiten.

Gehen wir also nochmals näher ran, auf Tuchfühlung sozusagen und schauen noch einmal genauer hin.


Die Gedanken schweifen zurück und lassen beim Anblick des vollendeten Werkes den Werdegang des Projekts noch einmal Revue passieren. Ohne Zweifel war sie es, unter all den anderen Preziosen, welche mir ein Maximum an Anstrengung abgefordert und mein Durchhaltevermögen auf eine harte Probe gestellt hatte.



 

REUNION - MAN & MACHINE

MAI 2013


ROB GLEN, ehemaliger Besitzer und Pilot der Safari Queen nahm im Mai 2013 die weite Reise aus Tanzania auf sich, um seinen ehemaligen Rallyewagen wiederzusehen. Er hatte viele Geschichten und Anekdoten aus der guten alten Zeit zu erzählen.




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